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GuV-orientierte Risikotragfähigkeit
Diversifikationseffekte berücksichtigen

Bei der Ermittlung der GuV-orientierten Risikotragfähigkeit werden Fonds üblicherweise über ihren Value at Risk abgebildet. Dieser beschreibt die Risiken innerhalb eines Portfolios, wie sie in einem bestimmten Betrachtungs­zeitraum am Markt tatsächlich aufge­treten sind. Das Verfahren wird neuerdings von der Deutschen Bundesbank infrage gestellt, da eine Risikosenkung durch Diversifikation nicht immer gewährleistet sei. Auch in der Praxis hat die Aufsicht bereits in einigen Fällen verlangt, Fonds über Einzelrisiken abzubilden.

Sparkassen bilden die Marktpreisrisiken von Fondsanlagen bei der Ermittlung der GuV-orientierten Risikotragfähigkeit meist über den Value at Risk (VaR) ab, den die Fondsgesellschaft bereitstellt. Dem VaR liegt eine Portfoliobetrachtung zugrunde; er spiegelt also risikomindernde Diversifikationseffekte wider. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat diesbezüglich Ende 2010 erstmals erhöhte Anforderungen gestellt. So müssen bei Berücksichtigung risikomindernder Diversifikationseffekte die zugrunde liegenden Annahmen und die verwendeten Daten den individuellen Verhältnissen des Instituts entsprechen. Außerdem wird verlangt, dass mögliche Veränderungen von Diversifikationseffekten über den Konjunkturzyklus und in speziellen Marktsituationen in die Analyse einfließen .*

 

Erfahrungen der Deutschen Bundesbank aus der Prüfungspraxis

Die Deutsche Bundesbank vertritt in ihrem Monatsbericht März 2013 ** eine kritische Ansicht: So habe sich die Annahme risikomindernder Diversifikationseffekte in wirtschaftlichen Stresszeiten oft als nicht belastbar herausgestellt. Vielmehr übersteige das Gesamtrisiko aufgrund von Ansteckungseffekten die Summe der Einzelrisiken. Auch die praktische Erfahrung der Aufsicht zeige, dass die Institute die unterstellten Diversifikationseffekte empirisch nicht nachweisen könnten.

Interessanterweise bezieht sich die Bundesbank in ihrem Monatsbericht gar nicht ausdrücklich auf Fonds, sondern allgemein auf das Gesamtrisikoprofil. Dennoch fordert die Aufsicht in Einzelfällen bereits, Fondsanlagen bei der Ermittlung der Risikotragfähigkeit nicht als Portfolio zu betrachten, sondern die Marktpreisrisiken über die einzelnen Wertpapiere unter Ausschluss jeglicher Diversifikationseffekte abzubilden.

„Diese Auffassung ist aus unserer Sicht nicht hinreichend fundiert“, erklärt Jens-Peter Kempf, Senior Strategieanalyst der DekaBank. Tatsächlich beruhe die Berücksichtigung von Diversifikationseffekten nicht auf Annahmen, sondern auf am Markt beobachtbaren Korrelationen.

 

Diversifikationseffekt auch in Extremsituationen nachweisbar

Untersuchungen der DekaBank zeigen, dass Diversifikation selbst in der zurückliegenden Finanzmarktkrise das Risiko innerhalb eines Portfolios gesenkt hat. Dabei ist das Ausmaß des Effekts vom Grad der Streuung der Anlageklassen abhängig. Verdeutlichen lässt sich dies anhand der Korrelation von Pfandbriefen zu ausgewählten Assetklassen. Wird beispielsweise eine Haltedauer von einem Jahr zugrunde gelegt, die die Sparkassen bei der Ermittlung der Risikotragfähigkeit üblicherweise ansetzen, dann war historisch nur zwischen wenigen Anlageklassen kurzzeitig eine Korrelation von nahezu bis zu 1 zu beobachten. Ein völliger Gleichlauf aller Anlageklassen war zu keinem Zeitpunkt gegeben.

Ein ähnliches Bild zeigt die rollierende Analyse des Value at Risk (99 Prozent) eines typischen Portfolios aus Anleihen und Aktien über eine einjährige Haltedauer. Der Diversifikationseffekt lässt sich hier als Differenz zwischen dem additiven VaR der beiden Portfoliokomponenten und dem VaR des Gesamtportfolios ablesen. Im gezeigten Beispiel liegt er regelmäßig zwischen 20 und 60 Prozent.

Rollierender VaR: 80 % deutsche Staatsanleihen / 20 % Aktien Euroland

Rollierender VaR
Quelle: DekaBank

Aufsichtsrechtlichen Anforderungen fehlt Konsistenz

Neben der Empirie gibt es weitere Aspekte, die für das Einbeziehen von Diversifikationseffekten bei der Ermittlung der Risikotragfähigkeit sprechen: „In den Sparkassen findet bei der laufenden Risiko­über­wachung und -steuerung eine Limitierung des Risikofalls statt. Sie gehen in diesem Kontext also von vornherein nicht von einer Extremsituation mit maximalem theo­retischen Risiko aus“, so Kempf. Vielmehr werde dieser spezielle Fall separat im Stressszenario analysiert. Dort könnten Diversifikations­effekte dann durchaus teilweise oder ganz aufgelöst werden.

Nach Ansicht von Kempf sind die neuen aufsichtsrechtlichen Anforderungen nicht durchgehend konsistent. „Die Aufsicht fordert für die Ermittlung der GuV-orientierten Risikotragfähigkeit bereits teilweise die transparente Abbildung der einzelnen Elemente von Fonds.“ An anderer Stelle lasse sie dagegen zu, dass Korrelationen zugrunde gelegt werden, beispielsweise bei der Nutzung des Periodikmoduls von CreditPortfolioView (CPV) für das Adressenrisiko.

 

Weiterentwicklung des Risiko-Reportings

Die zunehmend kritische Haltung der Aufsicht bei der Abbildung von Fondsanlagen wirft die Frage auf, ob das bisherige Risiko-Reporting von Finanzinstituten noch ausreichend ist. Die DekaBank ist bereits heute in der Lage, höhere Anforderungen an das Reporting von Spezial- und Publikumsfonds zu erfüllen. So liefere die weiter­entwickelte MaRisk-Management-­Summary neben Kennzahlen auf VaR-Basis auch Sensitivitätskennzahlen, die sowohl eine Anpassung an die individuellen Verhältnisse der Sparkasse zuließen als auch eine Abbildung von Fonds nach Risikoklassen erlauben. Weitere Berichte ermöglichten sogar die Durchschau der Fonds auf die einzelnen Wertpapiere.

Um dem restriktiven Vorgehen der Aufsicht in puncto Fonds und Risikotragfähigkeit zu begegnen, erarbeitet die DekaBank derzeit gemeinsam mit dem DSGV, einigen Regionalverbänden und Sparkassen Lösungsvorschläge. Neben der gezielten Weiterentwicklung des eigenen Risiko-Reportings wird die Behandlung der Fondsanlagen auch in das Risikotragfähigkeitskonzept*** des DSGV integriert.
Fragen rund um die Risikomessung, -bewertung und -steuerung können interessierte Sparkassen außerdem im Rahmen des DekaRisikoDialogs mit der Strategieanalyse der DekaBank diskutieren.

*AT 4.1 Tz. 6 MaRisk.
**Bankinterne Methoden zur Ermittlung und Sicherstellung der Risikotragfähigkeit und ihre bankaufsichtliche Bedeutung, S. 31 f.

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 2, Juli 2014