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20. März 2020

Rententrends
Shutdown einpreisen - Prognoserevisionen durch die Corona-Krise

 

 

Weiterhin ist der Markt vollständig damit beschäftigt, den realwirtschaftlichen Shutdown und seine Konsequenzen für Wirtschaft, Finanzsystem und Geschäftsmodelle einzupreisen. Wir haben unsere konjunkturellen Aussichten drastisch geändert, es ist die schnellste und tiefste Rezession aller Zeiten – der einzige Hoffnungswert lautet, dass die Dauer mit zwei Quartalen nicht so lang ist, wie es bei derartigen Verwerfungen eigentlich der Fall sein müsste (ein Jahr und mehr). Der Finanzsektor muss zunächst zusammen mit Aufsichtsbehörden, Notenbanken und Finanzministerien die eigene Stabilität bewahren. Gleichzeitig werden in den kommenden Wochen Vermutungen über die langfristigen Auswirkungen des Corona-Desasters mehr und mehr Eingang in die Preise finden.

Liquidität zählt

Die Kapitalmärkte haben in den vergangenen Tagen versucht, das Undenkbare einzupreisen: Eine weitgehende Schließung der Wirtschaft in vielen Ländern für drei bis vier Wochen eventuell auch länger. Diese Schließung wird sich unter Produktionsgesichtspunkten in den einzelnen Branchen sehr unterschiedlich aus: Sektoren mit einem vollständigen Shutdown wie in den Fabriken der Automobilindustrie oder bei Reiseveranstaltern stehen Sektoren gegenüber, wo zumindest aus Sicht der volkswirtschaftlichen Rechnungen die Produktion weitergeht, etwa im öffentlichen Dienst oder im Finanzdienstleistungssektor. Das wahre Ausmaß der Ausfälle wird nur durch die Zahlen in etwa sechs Wochen klarwerden, nach unseren Simulationen geht es aber um große Summen. Unter der Annahme eines Produktionsrückgangs von 15 Prozent im zweiten Quartal bei einem Aufholprozess im dritten Quartal von 50 Prozent der normalen Kapazitäten kommt man zu einem Verlust an Wertschöpfung im Jahr 2020 von etwa 230 Mrd Euro. Eine Summe, die durch staatliche Gegenmaßnahmen durchaus zu stemmen wäre – allerdings sind hier nicht die massiven Verwerfungen berücksichtigt, die diese Spontanausfälle in den Bilanzen von Unternehmen, des Finanzsektors und beim Staat bedeuten. Wir haben in dieser Woche unsere konjunkturellen Aussichten nochmals massiv nach unten genommen (s.u.).

An den Kapitalmärkten zählt in dieser Phase der Unsicherheit vor allen Dingen Liquidität. Angefangen von einer erhöhten Bargeldhaltung der Bevölkerung über eine verstärkte Kreditnachfrage des Unternehmenssektors bis hin zur Wertminderung bei liquiden Assets steigt der Bedarf an jederzeit verwendbaren monetären Mitteln an. Dies ist eine Ursache für die teilweise unplausiblen Marktbewegungen wie steigenden Bundrenditen und sinkenden Goldpreisen. Marktteilnehmer mussten zur Liquiditätsbeschaffung mehr verkaufen als nur Aktien.

Makro Research - Rententrends

Ausgabe 11/2020 – Freitag, 20. März 2020

Ausgabe 11/2020

 

Veröffentlicht am: 20. März 2020.