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Günstige Refinanzierung für Unternehmen:
Mehr Gewinn – mehr Dividende

Rund 300 Mrd. Euro – so viele Schulden müssen allein die Unternehmen des EuroStoxx 50 in diesem Jahr refinanzieren, und sie bekommen dafür sagenhaft günstige Konditionen. Das senkt die Zinskosten, steigert den Gewinn und gibt mehr Spielraum für höhere Dividenden. Für Investoren ist gerade die Dividende derzeit eine wichtige Ertragsquelle – und die Aktie wohl der beste Weg aus der Zinsfalle.

Aktien gehören in jedes Depot – so lautet schon seit Jahrzehnten das Credo. Wenn es um die Eigenanlage geht, waren Sparkassen in den letzten Jahren jedoch sehr zurückhaltend. Nicht, weil sie es sich nicht leisten könnten; schließlich weisen viele Häuser bei der Risikoauslastung extrem niedrige Quoten vor. Eher, weil so mancher Entscheider den Weg zu mehr Risiko durch Aktien scheut, solange es andere Optionen gibt. Die Ertragsmöglichkeiten weiter vorne auf der Zinskurve sind inzwischen aber so rar, dass Investoren freiwillig die sicheren Häfen verlassen. „Das ist auch ein Ziel der Zentralbankpolitik“, sagt Jörg Boysen, der bei Deka Investment das Aktienfondsmanagement leitet.

 

Aktien sind die Profiteure

Wer nach den Profiteuren der expansiven Geldpolitik sucht, wird bei Unternehmen fündig. Sie können ihre Verbindlichkeiten so günstig refinanzieren wie nie zuvor und senken damit die Zinskosten drastisch. „Wir sehen, dass trotz mäßigem Wirtschaftswachstum die Gewinne steigen, da Gewinnmargen noch Platz nach oben haben. Hierin liegt die Basis für weiter steigende Aktienkurse“, erklärt Boysen. Wie diese Entwicklung verlaufen kann, war in den Jahren nach der Finanzmarktkrise am US-Aktienmarkt zu beobachten. Durch die Quantitative-Easing-Programme der amerikanischen Fed sind die Zinsen dort schon länger niedrig. „Die Gewinnmargen der US-Unternehmen sind dadurch sogar deutlich über das Vorkrisenniveau gestiegen“, sagt Philipp Spormann, Aktienstratege bei Deka Investment. Die EZB ist in den radikalen Modus der Zinssenkungen dagegen erst später eingestiegen. „Wir sehen im Euroraum seit etwa vier Quartalen einen deutlichen Rückgang der Refinanzierungskosten – hiervon werden die Unternehmen noch einige Quartale profitieren“, ist er überzeugt.

Unternehmensgewinne: Europa mit Nachholpotenzial

Quelle: Bloomberg, 23. April 2015; rollierende Schätzung der nächsten 12 Monate. Jan 2008 = 100

Der Aktienmarkt nimmt solche Entwicklungen vorweg, das ist keine Überraschung. Seit EZB-Chef Mario Draghi im Januar ein Anleihekaufprogramm in bislang ungeahntem Ausmaß angekündigt hat, steigen die Kurse in ganz Europa. „Bewertungsexpansion war bis jetzt der Treiber“, so Spormann. Trotz Kurs­gewinnen von mehr als 20 Prozent beispielsweise im DAX sieht er den Markt weiter gut unterstützt: „In den aktuellen Schätzungen ist die zusätzlich positive Wirkung des schwachen Euros noch nicht voll berücksichtigt. Wir sehen erstmals seit mehreren Jahren mehr positive als negative Gewinnrevisionen.“ Solange mit weiter steigenden Unternehmensgewinnen zu rechnen ist, hält er den Markt für gut unterstützt. „Die Richtung ist mittelfristig intakt, aber die Dynamik wird nachlassen“, lautet Spormanns Prognose.

 

Suche nach anderen Ertragsquellen

Spricht man mit Investoren, sind heute eine solide Entwicklung und eine stetige Dividendenpolitik von Unternehmen gefordert. „Die ‚20-Jahre-China-Wachstumsstory‘ überzeugt im Moment keinen“, sagt Boysen. Kündige ein Unternehmen dagegen die Anhebung der Dividende an, stünden Anleger fast schon Schlange. Entsprechend richten viele Konzerne ihre Strategie aus: weniger Investitionen, dafür mehr Dividende und auch Aktienrückkaufprogramme. „Selbst Branchen, in denen Ausschüttungen an Aktionäre bislang nie gefragt waren, ziehen mit“, weiß Boysen. So hätten auch große Namen wie Microsoft oder Apple sich inzwischen zu den Dividendenzahlern gesellt – um neue Anlegergruppen für sich zu gewinnen. „Viele der derzeitigen Käufer sind keine klassischen Aktieninvestoren. Es sind vielmehr jene, die im Umfeld niedriger Zinsen nach anderen Ertragsquellen suchen“, lautet Boysens Einschätzung.

 

Dazu zählen auch immer mehr Sparkassen. Lange haben sie die Chancen, an der guten Entwicklung von Unternehmen zu partizipieren, auf anderen Wegen gesucht und in deren Anleihen investiert. Die Spreads sind inzwischen aber so gering, dass auch diese Alternative alleine nicht mehr ausreicht. BASF zahlt 4,0 Prozent Dividende, die Rendite einer sechsjährigen Anleihe liegt bei nur 0,7 Prozent. Ähnlich groß sind die Differenzen auch bei anderen DAX-Unternehmen. So wächst die Bereitschaft, Aktien in einem gut diversifizierten Portfolio beizumischen. Der Ertrag aus Dividenden steht dabei im Vordergrund.

Gesunkene Zinskosten ermöglichen höhere Dividende

Quelle: Bloomberg, 23. April 2015

Europa im Fokus

Hierzu sei es wichtig, dass die Aktie gut eingebettet ist in ein breit diversifiziertes Ertragsportfolio. Auch bei der Frage des richtigen Einstiegs rät Boysen zu bedachtem Vorgehen: „Gut ist die Investition einer Startdotation von 20 bis 25 Prozent, und dann monatlich oder quartalsweise aufstocken. Schwäche­phasen nutzen wir zudem aktiv.“

 

Ein sehr aktiver Ansatz ist auch bei der Auswahl der richtigen Titel gefordert. Die einfachen Storys gebe es nicht mehr, sagt Boysen: „Große Namen mit stabilen Geschäftsmodellen und hoher Dividende suchen alle. Die sind inzwischen aber einfach zu teuer.“ Mit seinem Team taucht er daher viel tiefer in die Märkte ein, sucht nach Titeln, die noch nicht jeder auf dem Schirm hat. „Im Bankensektor gibt es Nachholbedarf, die Wild Card ist der Energiesektor – aber in starker Abhängigkeit vom Ölpreis. Und bei den Telekoms gibt es Chancen, weil hier der Regulierer erstmals für Rückenwind sorgt und in Europa oligopolistische Strukturen zulässt“, sagt Analyst Spormann zu den Details. Dass dabei der Fokus auf Europa liegt, steht für beide Aktienspezialisten außer Frage: Hier sei die Entwicklung, die in den letzten Jahren in den USA und später auch in Japan zu sehen war, noch in einem viel früheren Stadium. „Unternehmensgewinne werden noch einige Zeit Rückenwind haben“, so Boysen. Und sind damit auch eine gute Unterstützung für den Aktienmarkt.

Markt & Impuls - Für Sparkassen - Ausgabe 2, Juli 2015